Meinungen und Erfahrungen zu Kindergebärden


Mechthild Kiegelmann
Professorin für Sozialpsychologie und Sozialpädagogik, PH Karlsruhe
www.ph-karlsruhe.de


Welche Bedeutung haben Kindergebärden (Baby Signing) für Sie?

Mechthild KiegelmannIch beschäftige mich als Professorin mit Forschung und Lehre in Psychologie und Pädagogik. In beide Aufgabenbereiche bringe ich Baby Signing mit ein: In der Forschung frage ich derzeit u.a. nach den Motiven von Eltern für gezielte (Sprach)fördermaßnahmen für Kinder. In die Lehre nehme ich die Themen Baby Signing und Gebärdensprachen im Zusammenhang mit Theorien über Spracherwerb mit auf. Auch erwähne ich Gebärdensprachen in Lehrveranstaltungen über Mehrsprachigkeit.

Wo sind Ihnen Kindergebärden (Babys Signing) begegnet?

Ich musste für eine Prüfung (im Rahmen der Habilitation) einen Vortrag über ein Thema der Psychologie halten, mit der Auflage, dass ich über das Thema noch nicht selbst geforscht hatte. Als Mutter von deutsch-US-amerikanischen Kindern hatte ich aus den USA über Baby Signing gehört und mir dann Sprachförderung durch Baby Signing als Thema für den Vortrag ausgesucht. Die Prüfung ist lange her, aber das Thema hat mich dann so fasziniert, dass ich weiter dazu arbeite.


Welchen Tipp für Kindergebärden (Baby Signing) haben Sie für meine Leser?

Informieren Sie sich über die Sprache und Kultur von Gehörlosen in ihrem Land und vermitteln Ihrem sozialen Umfeld ihre Wertschätzung dafür. Auch wenn Sie nur einzelne lautsprachenbegleitende Gebärden selbst lernen und nutzen, schnuppern Sie in die jeweils vollständige Landesgebärdensprache hinein.

Spaß mit Baby Signing halte ich für sinnvoll -- aus der Alltagskommunikation herausgerissenes Vokabelnabfragen dagegen nicht. Einige Filmchen im Internet von und mit Eltern, die den Gebärdenwortschatz ihrer Kinder stolz präsentieren, ärgern mich: Entwicklungspsychologisch betrachtet sieht kindgerechtes Zusammenleben mit Babys anders aus.